Leben und arbeiten – Urbanität und Provinz

Ich beschäftige mich schon sehr lange mit der Frage, wie man das Leben auf dem Land mit moderner Urbanität verbinden kann. In zahlreichen Gesprächen sind Ideen entstanden, die manchmal ihren Weg zu Papier fanden, sich manchmal auch einfach nur im Geist oder Herzen weiterentwickelten. Ein fundierter Gedanke und das, was wir heute tatsächlich entwickeln, entstand schon vor Jahrzehnten. Das möchte ich Euch nicht vorenthalten, denn es trifft im Kern das, was gerade hier bei uns im Gästehaus, auf dem Stützpunkt und damit auch auf dem Gut Stolzenhagen passiert.

Das Projekt entwickelt sich im Rahmen der Genossenschaft Gut Stolzenhagen. Das Gut Stolzenhagen wurde als Gutshof schon im 16.Jhdt gegründet und zu DDR Zeiten als „LPG Fortschritt“ geführt. Nach der Wende standen die meisten Gebäude leer. 1996 kaufte der Verein Laube e.V. das Gutsgelände der Treuhand ab, die Besiedelung scheiterte jedoch an internen Streitereien. Seit Januar 1999 führt der Verein Gut Stolzenhagen die Arbeit mit weitaus mehr Erfolg fort.

Um der Größe des Geländes und der Vereinsmitglieder, in Bezug auf deren Ansprüche und Ziele, Rechnung zu tragen, wurde eine dezentrale, pluralistische Struktur im Rahmen einer Genossenschaft erdacht.Die Genossenschaft Gut Stolzenhagen e.G. wurde im Frühjahr 2002 mit 11 Genossen gegründet und versteht sich als gemeinschaftliche Basis der Gesellschaft der Nutzer und Bewohner der 10 autonomen Nachbarschaften.

Stolzenhagen liegt ca. 80km oder 1.5h nord östlich von Berlin, inmitten hügeliger Endmoränenlandschaft, am Rande des Odertals, in unmittelbarer Nähe zum Nationalpark Unteres Odertal und dem Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, mit der Brodowiner Seenplatte…..in absolut tourismusverdächtiger Landschaft.

Das Projekt, damals noch OderArtLab genannt und heute das, was ich mit meiner Frau Tereza und vielen Freunden vor treibe, versteht sich als Experimentieraum für einen modernen Arbeits- und Lebensentwurf im ländlichen Raum mit Bezug zur Metropole.Die Idee ist keine Flucht vor der Großstadt und deren Tempo, sondern versteht sich als Ergänzung zur Großstadt und die Großstadt als Ergänzung zu sich selbst. Unser Projekt will seinen Nutzern und Bewohnern die Ruhe des Landes und die Schönheit der Natur zugänglich machen und mit urbanen Arbeits- und Lebensweisen kombinieren.

Das Projekt ist als gleichberechtigte Nachbarschaft eingebettet in die Genossenschaft Gut Stolzenhagen, in der jede Nachbarschaft die Möglichkeit hat, im Rahmen der Satzung ihren eigenen Stil zu entwickeln und eigene Ziele zu realisieren. Erwünscht ist das Nebeneinander verschiedener sich ergänzender Lebensentwürfe. Wir möchten vor allem Kreative ansprechen, die in produktiver Arbeitsatmoshäre mit hohem Erholungswert Tage oder sogar Wochen verbringen wollen.

Im Gästehaus von Tereza  gibt es Zimmer, eine große Kücher, Bad und ein loungiges Wohnzimmer als Kommunikationsräume. Nicht zu vergessen, die Veranden rund ums Haus. Der Stützpunkt, an der sich auch die Werkstatt von mir befindet, entwickelt sich derzeit zum Flagship Store weiter mit der Möglichkeit, zu arbeiten, Teams zusammen zu bringen, Fotos zu machen, kreativ zu werden. Die Arbeitsräume und Gästeräume können sowohl dauerhaft als auch temporär gemietet werden, in jedem Fall wird die Infrastruktur im Hause mitvermietet, Garten, Gemeinschafts-flächen, sowie die Naturlandschaft sind inklusive.

Die Mieter erhalten Zugang zu einer attraktiven Naturlandschaft, außergewöhnlichen Architektur, modernen Arbeits- und Wohnräumen und einem gemeinschaftlichen nebeneinander unterschiedlicher Projekte und kultureller Angebote. Alle Räume und Zeiträume werden auf der Grundlage von Plänen und Konzepten bewußt gestaltet und  in Etappen entwickelt. Prozesshaftes/flexibles Wachstum wird einem starren Gesamtkonzept vorgezogen.

terezaundjoerg als Schnittstelle dualer Prinzipien

Individuum – Gemeinschaft

Stadt – Land

Konzept – Prozess

Urbanität – Provinz